„Leeden Leelau“ schallte es durch die Straße Stift als gestern der Bollerwagenumzug viele Faschingsfreunde anlockte. Farbenfroher, lauter und fröhlicher hätte das diesjährige Karnevalstreiben im Stiftsort kaum sein können. So verwandelte sich der Ortskern in eine Hochburg lustiger Jecken, als 16 Fußgruppen mit Bollerwagen sich durch das bunte Spalier Hunderter Besucher schlängelten und den Höhepunkt der fünften Jahreszeit einläuteten.
„Es sind noch mehr Leute als letztes Jahr da“, meinte Bürgermeister Stefan Streit im Interview mit den Umzugsmoderatoren Christian Himstedt und André Klausmeier, die launig und gekonnt mit Mikrofon das bunte Treiben kommentierten und immer wieder kurze Interviews mit den Teilnehmern und Weggästen führten.
Insgesamt gingen 16 bunt dekorierte Gruppen bei dem Umzug an den Start, für dessen Organisation Pascal Lapatke zuständig war. Sie alle wetteiferten um den orangefarbenen SkyMineMedia-Wanderpokal „für den besten und schönsten Bollerwagen“, der mit Smarties randvoll gefüllt war. Die Jury, der Christian Himstedt, André Klausmeier, Pascal Lapatke und die beiden Jugendlichen Lily Celik und Mona Wiewinner angehörten, hatte die Qual der Wahl, doch am Ende setzte sich der kunterbunte Hippie-Wagen zum Motto „Flower Power im Haus Hedwig“ durch, der mit Blumen, Musik und jeder Menge guter Stimmung punkten konnte.
Den zweiten Platz belegte der Heimatverein Leeden mit seinem historischen Bollerwagen, auf dem das Stiftshaus im Mini-Format zu sehen war. Dritter im Ranking der Jury war der Disney-Bollerwagen, den Kinder nach dem Prinzip „Gut gegen Böse“ märchenhaft und actionreich dekoriert hatten.
Die eigentlichen Gewinner des Nachmittagsumzugs, der sich pünktlich um 16.11 Uhr mit ganz viel Lokalkolorit in Bewegung setzte, waren aber die vielen großen und kleinen oftmals bunt verkleideten Karnevalsfreunde am Wegesrand, die ein großes Spalier für den Umzug bildeten, der sie zwei Mal passierte. „Wir haben Zeit“, animierte Moderator Himstedt öfters die Umzugsteilnehmer zum langsamen Gehen, damit alle die vielen farbenfrohen Wagen genießen konnten.
Unzählige Bonbons, Popcorn-Tüten, Schlüsselbänder oder sogar Power-Banks erfreuten als Kamellen geworfen oder direkt überreicht die vielen Besucher, darunter etliche Familien und Kinder, die als Clown, Superheldin, Märchenfigur oder Tier mitfeierten.
Der Radsportverein Bergeslust griff die Vereinsfarben Blau und Weiß als Schlümpfe kostümiert auf, während der Kindergarten Pusteblume bananig unterwegs war und als Minions für Lacher sorgte.
Die Leseoase vom Freundeskreis der Stiftsschule verbreitet nun schon bereits seit 35 Jahren Lesevergnügen und machte auch beim Bollerwagenumzug „Buchmut“. „Kirche kann bunt – und mittendrin!“ zeigte die katholische Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen, die augenzwinkernd auf die Einhorn-Horn-Thematik anspielten.
Der Schützenverein Leeden von 1665 zog mit Sandalen und als römische Legionäre gewandet durchs Stiftsdorf, wohingegen krankheitsbedingt die Gruppe vom Ostlandweg sich unter das Publikum mischen musste. Die Schützen aus Loose griffen in ihren fantasiereichen Kostümen Märchen auf. „Wir stricken, backen, schenken ein, bei uns will jeder Kunde sein!“ lautete hingegen das selbstbewusste Motto der Marktfrauen vom Feierabendmarkt.
Die BSV-Fußballer traten in Trikots an und demonstrierten Teamgeist, wohingegen die seit über 20 Jahren von Uwe Peters organisierte Vater-Kind-Kanutour auf Rädern mit einem Zelt das Campingmotto umsetzte. Als Musketier zog Bürgermeister Stefan Streit seinen „Streitwagen“ durch den Stift, auf dem „die alte Burg zu Leeden zu sehen war“, wie Christian Himstedt meinte und humorig ergänzte: „Jene Burg, zu der einst sogar der Graf von Tecklenburg hinaufblicken musste“.
Die Leedener Jugend zog ihr Einhorn-Horn auf einem Wagen und eskortierte ihn mit Mountainbike-Fahrern in voller Montur – eine Anspielung an die Pumptrack, für die sich die Kids begeistert einsetzen. Das Schlusslicht des Umzugs bildete die Abordnung der Interessengemeinschaft Leeden als Schneemänner gewandet: „Wir sind zwar die letzten im Zug, aber immer die ersten, wenn es in Leeden etwas zu arbeiten, zu reparieren oder zu verschönern gibt.“
Das Moderationsduo dankte zwischendurch den lokalen Sponsoren, ohne die der Bollerwagenumzug und die sich im Stiftshof anschließende ausverkaufte Kinderparty (wir berichten am Montag) nicht in dieser Art und Weise hätten stattfinden können. An der Remise konnten sich abschließend alle Umzugsbesucher Getränke und Grillwürstchen vom Schützenverein 1665 schmecken lassen.
Die im Leedener Ortsteil Loose beheimatete Filmproduktion und Werbeagentur SkyMineMedia hat übrigens einen Film (Kamera Thilo Heine und Postproduktion Christian Himstedt) vom Bollerwagenumzug gedreht, der seit gestern Abend auf dieser Homepage zu finden ist: www.skyminemedia.de/leelau
Quelle: WN / Björn Igelbrink
