Workshop in Leeden: Argumentieren gegen Stammtischparolen
Wie kann man menschenverachtenden Aussagen am Stammtisch, in den sozialen Medien oder auf Familienfeiern etwas entgegensetzen? Mit dieser Frage beschäftigten sich rund 30 Teilnehmende bei einem Workshop in Leeden. Eingeladen hatten die Kirchengemeinde Seliger Nils Stensen sowie die Interessengemeinschaft (IG) Leeden.
Unter dem Titel „Argumentieren gegen Stammtischparolen“ trafen sich Menschen zwischen 20 und 80 Jahren im Stiftshof, um sich mit den Mechanismen populistischer Aussagen auseinanderzusetzen – und um zu lernen, wie man ihnen entschlossen entgegentreten kann.
Populismus erkennen – Strategien entwickeln
„Es scheint ein menschliches Bedürfnis zu sein, Menschen als Schuldige zu benennen und auszugrenzen“, sagte Pfarrer Peter Kossen in seinem Beitrag zum Thema Populismus. Er erklärte, wie vereinfachende, pauschale Aussagen gesellschaftliche Debatten vergiften können. So habe es in populistischen Kreisen Methode, Menschen erst Angst zu machen und auch gezielt eine Art Schockstarre herbeizuführen, um sich dann später selbst als Erlöser zu präsentieren mit einfachen und fragwürdigen Wahrheiten. Die Faktencheck und die Frage: „Ist das wirklich so?“ könne helfen, so ein Vorgehen zu entlarven.
Hauke Meyerrose, Referentin im Sozialen Seminar im Bistum Osnabrück, führte weiter in das Thema ein und leitete den Workshop. In Kleingruppen hatten die Teilnehmenden zu Beginn Aussagen gesammelt, die ihnen selbst begegnet waren, wie zum Beispiel „Man darf ja gar nichts mehr sagen“, „Die kriegen alles zugesteckt und wir haben keine Rente mehr“ oder „Ich bin ja kein Nazi, aber …“
„Es ist erschreckend, dass wir uns überhaupt mit so einem Thema so intensiv beschäftigen müssen“, so Meyerrose. Gleichzeitig betonte sie: „Es gibt keine Patentlösung – niemand geht hier heute raus und hat die eine Antwort. Aber wir können gemeinsam Strategien entwickeln, Mut fassen und uns klar positionieren.“
Zuhören, nachfragen, widersprechen
Die Teilnehmenden arbeiteten zum Einstieg an einer Ortsanalyse: Wo begegnen uns Stammtischparolen? Häufig in den sozialen Medien, bei Familienfeiern, auf Partys, unter Alkohol, aber auch bei Gesprächen mit Vorgesetzten oder Lehrkräften.
Im Fokus des Workshops stand die Frage: Wie kann man reagieren, wenn einem Stammtischparolen begegnen? Dazu erarbeiteten die Teilnehmenden verschiedene Handlungsansätze wie sachlich zu bleiben, aber klar zu widersprechen oder Nachfragen zu stellen, statt direkt zu konfrontieren. Ein guter erster Schritt aus der Sprachlosigkeit sei die schlichte Nachfrage „Wie meinst du das?“, so Hauke Meyerrose. Damit sei das Gegenüber im Zugzwang, sich zu erklären. Oft zeige sich dann schon, wenn eine provokante Aussage keinen sachlichen Gehalt habe.
Wahlplakate aus den sozialen Medien wurden von den Teilnehmenden gemeinsam auf ihre Wirkung analysiert. Die Referentin gab weitere Literaturtipps an die Hand: So könne man mit Hilfe der Plattform konterbunt.de Stellungnahmen zu trainieren.
Humor könne eine wirksame Waffe gegen Populismus sein – Satire helfe, die Absurdität mancher Aussagen sichtbar zu machen. „Autokraten geht die Fähigkeit ab, über sich selbst zu lachen!“ ergänzte Pfarrer Kossen. Genauso wirksam könne es wiederum an anderer Stelle sein, über diskriminierende Witze nicht mitzulachen.
Ein zentrales Thema war auch der Selbstschutz: „Ich will anderen nicht den Raum geben – aber ich muss auch auf mich selbst achten“ sagte eine Teilnehmerin.
Austausch und Mut machen
Ein Drittel der Teilnehmenden kam als Gäste von außerhalb, etwa aus Ibbenbüren und Emsdetten – ein Zeichen für das Interesse über die Gemeindegrenzen hinaus. Teilnehmende vom Bündnis „Hörstel bleibt bunt“ berichteten über die erschreckenden Seiten ihrer Arbeit: ein Banner zum Thema Demokratie sei zerrissen worden, online müssten die Organisatoren sich mit hässlichen Kommentaren und Drohungen auseinandersetzten.
In Leeden selbst gebe es ein aktives Vereinsleben, ein hohes Bürgerengagement und vieles, was einfach gut laufe, betonte Inge Zumsande von der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen. Umso größer sei die Irritation gewesen, als bei vergangenen Wahlen ein hoher Stimmenanteil für die AfD zu verzeichnen war.
„Aus der Hilflosigkeit rauskommen – das ist der Anlass für diesen Workshop“, sagte Zumsande offen. Der Workshop solle Mut machen, sich gegen menschenverachtende Aussagen zu stellen – auch im Kleinen, im Alltag.
Eine wichtige Erkenntnis des Tages: Allein ist man selten. Oft denken andere ähnlich, trauen sich aber nicht, etwas zu sagen. Wer den ersten Schritt wagt, kann zum Vorbild werden. Oder, wie es ein Teilnehmer formulierte: „Hass soll nicht salonfähig sein – deswegen bin ich heute hier.“
Foto: IG Leeden
Hauke Meyerrose, Bistum Osnabrück (4. von links), leitete den Workshop „Argumentieren gegen Stammtischparolen“, den Inge Zumsande (2. V. links) und Pfarrer Peter Kossen (Mitte) initiiert hatten.
Marie-Theres Himstedt (links) und Gerhard Wellemeyer, beide IG Leeden, bedankten sich für das Engagement mit Leedener Stiftstropfen und Blumengutscheinen Flaucher aus Lotte.
Quelle: Marie-Theres Himstedt / IG Leeden
