Samantha Müller hätte es sich nicht träumen lassen. Dank viel Förderung zum Traumjob

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Samantha Müller mit Bereichsleiter und Ausbilder Björn Hippel (links) und LMP-Mitarbeiter Frank Feldmann.
Foto: Ledder Werkstätten

LADBERGEN/TECKLENBURG-LEEDEN. Samantha Müller ist gerade total stolz und einfach nur happy: Sie hat ihre Zwischenprüfung zur Verkäuferin bestanden. Mit 81 von 100 möglichen Punkten und damit der Gesamtnote „Gut“. Die verlängerte Zeit, die ihr als Nachteilsausgleich zustünde, brauchte sie gar nicht. Die 45 Fragen hatte sie schon beantwortet, bevor die reguläre Zeitvorgabe für ihre Klasse verstrichen war. Sie habe aber auch eine ganze Menge dafür getan. Das erzählt die 28-jährige Frau aus Ladbergen im Leedener „Lebens-Mittelpunkt“ (LMP) der Ledder Werkstätten, denn das ist ihr Ausbildungsbetrieb.

Von der Förderschule in der Widum in Lengerich kam Samantha 2016 in den Ladberger LeWe-Berufsbildungsbereich und gut zwei Jahre später – zunächst als Praktikantin – zum LMP, ihrem Wunsch-Arbeitsbereich. Sie blieb, und was dann geschah, war so etwas wie ein Musterbeispiel an Förderung mit vielen, vielen Beteiligten.

Ausbilder und Bereichsleiter Björn Hippel berichtet von Samanthas Weg: Alles habe nach der Beruflichen Bildung mit dem Praktikum 2018 begonnen. In den nächsten sechs Jahren habe Samantha in Leeden nach und nach alle Tätigkeiten des Dienstleistungsangebotes erlernt, bald die Kasse gemacht, ebenso die Kontrolle der Mindesthaltbarkeitsdaten. Im Fahrdienst, also der Belieferung der LeWe-Wohneinrichtungen, war sie dank Führerschein unterwegs und bekam außerdem Spaß daran, mit Kunden umzugehen und sie zu beraten. Förderangebote wie das Projekt „Bestückung der Obst- und Gemüsetheke“ oder zahlreiche Lerneinheiten zu Hygiene oder Arbeitssicherheit kamen hinzu.

Im August vergangenen Jahres ging sie den nächsten großen Schritt: Ausbildungsstart zur Verkäuferin, was auch für den LMP eine Premiere war. Den Ausbildungsplatz hatte der hauseigene Fachdienst Berufliche Inklusion (FBI) werkstattintern ausgeschrieben und Saman-tha organisatorisch begleitet. Hippel ist als Ausbilder bei der IHK eingetragen und begleitete sie nun fachlich durch die zweijährige Lehrzeit. Das Berufskolleg in Ibbenbüren mit seiner schieren Größe war anfangs eine echte Herausforderung, denn Samantha hat eine Lese- und Schreibschwäche, die manche Fächer für sie schwierig macht.

Also suchte Hippel weitere Hilfen und fand sie beim Integrationsfachdienst des Inklusionsamtes beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, weil Samantha ins geförderte Budget für Arbeit wechselte, und beim Verein „Lernen fördern“: Seit einem Jahr bekommt die angehende Verkäuferin dort sogenannten Stützunterricht und außerdem eine Schulbegleitung. Die erfolgreiche Zwischenprüfung beweist, wie sehr ihr das alles geholfen hat.

Von der Beschäftigten zur Arbeitnehmerin: Samantha hat heute den Ladenschlüssel und einen Stempelchip. Ihre Frühschicht beginnt um 6.45 Uhr, sie hat 39 Wochenstunden zu leisten und noch paar Dinge mehr. Hätte sie sich 2018 ernsthaft träumen lassen, einmal so weit zu kommen? „Nein, auf gar keinen Fall“, sagt sie heute. Jetzt, im zweiten Lehrjahr, ist sie viel sicherer, routinierter, beginnt hin und wieder auch morgens ganz allein die Schicht in Leeden.

Im Sommer 2026 wird sie ausgebildete Verkäuferin sein – und dann? „Ein paar Jahre möchte ich noch hier arbeiten“, sagt sie. Dafür gibt es das geförderte Budget für Arbeit. Und dann plane ihre Familie, nach Dänemark auszuwandern. Möglichst grenznah, ohne Sprachprobleme. „Da kann ich dann in einem Supermarkt arbeiten.“

Quelle: WN / Ledder Werkstätten