Foto: vlnr Gertrud Barlag und Dorothee Westphälinger übergeben Spende an Alois Beulting
„Weil jeder Tag zählt“ lautete der TItel eines Vortrags, den Alois Beulting am Montag im Haus Hedwig gehalten hat. Auf der Veranstaltung der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen und des Hospizhauses Tecklenburger Land stellte der ehemalige Geschäftsführer die Einrichtung am Aasee in Ibbenbüren vor.
„Bei uns im Hospizhaus gibt es nicht nur Tod, Trauer und traurige Situationen“, so der Ruheständler, der beruflich 45 Jahre im Gesundsheitswesen tätig war, „sondern auch Nordsee, BVB und Frikadellen“.
„Im Hospizhaus Tecklenburger Land betreuen wir Menschen in ihrer letzten Lebensphase“, informierte Alois Beulting die 17 Zuhörer im erweiterten Kapellenraum. Er ergänzt: „Unsere Gäste finden bei uns eine mitfühlende Betreuung, Geborgenheit und eine warmherzige Athmosphäre.“
Das trat an vielen Stellen seines Referats deutlich hervor, zeigte er doch viele Bildimpressionen und sogar einen Filmbeitrag per Beamer. Dabei nahm er die Zuhörer mit auf eine Reise zu den Anfängen klöster- oder kirchlicher Hospize im Mittelalter. „Doch der Gedanke an Hospize wie wir sie heute kennen, ist erst etwa sechs Jahrzehnte alt“, informierte Beulting, der auch immer wieder auf die Zwischenfragen einging.
„Auf etwa 250 000 Einwohner kommt ein Hospiz“, lautet eine Faustformel. Nach Emsdetten sei die Einrichtung in Ibbenbüren bei Planungsbeginn vor zehn Jahren genau richtig dimensioniert. Sieben Gesellschafter betreiben das Hospizhaus Tecklenburger Land, dessen Geschäftsführer Alois Beulting von März 2022 bis August 2025 war.
32 Mitarbeiter – viele in Teilzeit – kümmern sich um das Wohl der Gäste, deren Altersdurchschnitt bei 74 Jahren liege. 95 Prozent der Gäste zwischen 28 und 95 Jahren hätten eine Tumorerkrankung. „In allen drei Arbeitsschichten gibt es einen guten Pflegeschlüssel“, so der Referent.
„Die ungefähre durchschnittliche Verweildauer liegt bei 32 Tagen“, bilanzierte Beulting. Seit Juni 2022 seien 326 Gäste in den zehn Zimmern untergebracht gewesen, von denen 23 wieder entlassen werden konnten. Die Auslastung liege bei 96 Prozent mit 26 monatlichen Anfragen und etwa sechs bis sieben Aufnahmen – so die Statistik.
„Krankhausatmosphäre macht Menschen Angst“, teilte Alois Beulting den Zuhörern mit. Ein filmischer Rundgang durch das Hospizgebäude in Ibbenbüren zeigte eindrucksvoll das besondere Ambiente des Hauses. Der Experte stellte viele einladend wirkende Räume vor mit der sonnendurchfluteten Gemeinschaftsküche, einem Raum der Stille, dem großzügigen Badewanne oder den Gartenbereich.
„Wir haben aber wirtschaftlichen Druck“, berichtete Beulting offen. Geldgeber seien die privaten und gesetzlichen Krankenkassen, die Gäste bräuchten nichts bezahlen. Individuelle Wünsche zu berücksichtigen sei ein großes Anliegen der Einrichtung. Ausflüge mit dem Wünschewagen und teils einer Übernachtung führten bereits an die Nordsee oder in Bundesligastadien.
Die Küche erfülle viele Speisewünsche „und sogar schon drei Hochzeiten mit bis zu 30 Personen konnten in dem Hospizhaus gefeiert werden“. Musikalische Angebote sorgen für Leben im Haus, „für therapeutische Arbeit mit Hunden, Harfenmusik oder Düften sind wir aber auf Spenden angewiesen“, bot Alois Beulting Wein an, durch dessen Verkauf das Hospizhaus Spenden akquirieren kann. Er freute sich für die EInrichtung, dass die Zahl der Kondolenzspenden zunehme.
Seine Schwester, Dorothee Westphälinger, hatte den Kontakt mit Alois Beulting für die katholische Kirchengemeinde im Stiftsort hergestellt. Gemeinsam mit Gertrud Barlag überreichte sie eine Spende von 700 Euro, die durch den Verkauf von Würstchen und Getränken zusammenkam. Im Januar hatten Ehrenamtliche an vier Terminen den Grillstand auf dem Feierabendmarkt betrieben und zusätzlich eine Spendenbox aufgestellt, die Beulting nun ebenfalls für das Hospizhaus Tecklenburger Land in Empfang nehmen durfte, das etwa 400 000 Euro jedes Jahr durch Spenden und Zuschüsse generieren muss: „Ohne Spenden und ehrenamtliche Unterstützung können wir das Hospiz nicht betreiben!“, dankte er den Aktiven und ermunterte auch zu Sachspenden wie Klangschalen, Blumen für Terrassen, einen Strandkorb für Rollstuhlfahrer, einen Fahrradunterstellplatz oder ein Zeitungsabo.
Mehr über die Einrichtung ist im Internet zu erfahren unter www.hospizhaus-tecklenburger-land.de.
Quelle: WN / Björn Igelbrink
