Der Feierabendmarkt in Leeden hat eine besondere Anziehungskraft. Wie viel ehrenamtliche Arbeit und Organisation dahintersteckt, ahnt kaum ein Besucher. Was liegt alles an, bevor die ersten Kunden kommen?
Drei, die sich verstehen: Marktmeister Heinz Saatkamp, Ayub Saleh und Nico Loddenkötter (v.l.) Foto: Ruth Jacobus
14.45 Uhr: Noch ist alles ruhig auf dem Platz vor der Remise. Dass es dort spätestens ab 16 Uhr so richtig voll wird, ist noch nicht zu spüren. Marktmeister Heinz Saatkamp hat allerdings alle Hände voll zu tun, damit später alles rund läuft. Der Leedener Feierabendmarkt lockt immer mehr Besucher von nah und fern an. Weil er etwas Besonderes ist. Und das liegt nicht zuletzt an dem außerordentlich hohen ehrenamtlichen Engagement.
Nico Loddenkötter vom Bio-Kleehof ist der erste Beschicker, der an diesem Dienstag mit seinem Verkaufswagen anrückt. „Ich bin immer früh da, mit Stress macht das keinen Spaß.“ Während er sein Gemüse auspackt, sortiert, hier und da ein welkes Blatt abzupft, ist der Marktmeister unterwegs, um alles aufzuschließen. Ein Pavillon wird aufgebaut, unter dem später die Akkordeon-Rock-Oldies spielen sollen. Sonnenschirme werden aufgestellt sowie zahlreiche lange Bänke und Tische. Bei dieser Arbeit ist Heinz Saatkamp nicht allein, er bekommt stets Hilfe von den Vereinsmitgliedern, die zum Grillen eingeteilt sind.
Grilldienst ist beliebt
An diesem sonnigen Dienstag hat die Chorgemeinschaft Leeden diese Aufgabe übernommen. Die Leedener Vereine wechseln sich alle drei Wochen ab. Früher, erzählt der Marktmeister, hätten sie vier Wochen hintereinander diesen Grilldienst übernommen. Dieser Zeitraum wurde bewusst verkürzt, und das aus einem erfreulichen Grund: Es gibt viele Vereine, die mitmachen und dadurch ihre Vereinskasse aufbessern wollen. Darauf wird Rücksicht genommen.
Immer mehr Marktbeschicker rollen an. Andrea Breeck hat inzwischen ihren Käsewagen positioniert. Ayub Saleh bezieht seinen Platz, an dem er griechische Spezialitäten anbietet. Währenddessen wird auch in der Remise aufgebaut. Eva Kongsbak ist da und dekoriert den Tisch mit ihren selbst hergestellten Marmeladen. Wildkirsche und Waldmeister, Löwenzahn und Johannisbeeren, Holunder und Weintrauben hat sie zu Gelee verarbeitet und freut sich auf die Kunden. „Marmeladen gehen immer“, freut sich die 80-Jährige und lächelt verschmitzt. Eine Bekannte von ihr hat einen großen Garten, mag aber nicht so gerne einkochen. Also bekommt Eva Kongsbak das ganze Obst und Gemüse.
Kurz vor 15 Uhr ist es noch leer auf dem Gelände vor der Remise. Tische und Bänke werden aufgebaut, während die ersten Marktbeschicker anrollen.
Die Kommunikation mit allen Beteiligten ist wichtig. Mit den Marktbeschickern hat er eine Whatsapp-Gruppe. Die melden sich immer rechtzeitig, wenn sie mal einen Markttermin nicht wahrnehmen können. Und dann ist da noch die Whatsapp-Gruppe „Wir in Leeden“ mit über 880 Mitgliedern. Die erfahren dann immer am Dienstagvormittag, wer auf dem Markt seine Waren anbietet, welche besonderen Angebote es gibt und auf welche leckeren Kuchen sich die Besucher freuen können.
„Ohne den Marktmeister wäre es nicht das, was es ist.“ Nico Loddenkötter
Händler gibt es genug, die gerne auf dem Feierabendmarkt ihre Waren anbieten möchten. „Aber wir machen keine Konkurrenz auf dem Markt“, stellt Heinz Saatkamp klar. Soll heißen: Einen zweiten Gemüsehändler oder Käsewagen wird es nicht geben. Da müsste erst jemand anderes abspringen, was so schnell nicht geschehen wird, denn die Beschicker sind sehr zufrieden, auch mit Heinz Saatkamp. „Ohne den Marktmeister wäre es nicht das, was es ist“, betont Nico Loddenkötter. Der kümmere sich einfach um alles.
Heinz Saatkamp schaut indes, ob am Grillstand alles läuft. Es ist 15.40 Uhr, die ersten Würstchen brutzeln, bereit für die frühen Kunden. Anfangs gingen rund 100 Würstchen über die Theke, mittlerweile sind es 300 pro Markttag. „Es ist viel Arbeit, aber macht auch viel Spaß“, erzählt Elisabeth Püning von der Chorgemeinschaft. Würstchen einkaufen, Getränke kühlen, alles aufbauen und abends wieder sauber machen – das gehört dazu. Mittlerweile ist die Sängertruppe erfahren. „Anfangs haben wir die Currywurst mit dem Messer geschnitten, dann haben wir uns einen Würstchenschneider angeschafft und einen Warmhaltetopf für die Currysauce“, erzählt Elisabeth Püning.
Erst mal Kuchen und Kaffee
Mittlerweile ist es 15.45 Uhr, die ersten Kunden schlendern über den Markt, suchen sich ein schattiges Plätzchen an einem der Tische, steuern den Grillstand an. Anderen steht eher der Sinn nach Süßem. An diesem Dienstag gibt es frisch gebackenen Pflaumenkuchen. Nico Loddenkötter und Andrea Breeck gönnen sich schon einmal ein Stückchen und eine Tasse Kaffee, bevor der Marktrubel so richtig losgeht. Währenddessen bekommt Ayub Saleh Backfisch vom Fischhaus Kittner gebracht. Die Marktbeschicker verstehen sich, kommen gut miteinander klar.
Es geht auf 16 Uhr zu. Es sind vor allem Stammkunden, die so früh kommen. Sie wissen, dass die besten Sitzplätze schnell vergeben sind. Denn es ist nicht der Einkauf von frischen Waren – sei es Brot, Fisch, Gemüse oder Käse –, der sie anlockt, sondern auch die Geselligkeit. Leedener sind natürlich darunter, aber auch viele von außerhalb. Der Marktmeister kennt sie – fast – alle. Die Gruppe aus Ohrbeck, die Frauen aus Hagen, die Kunden aus Leeden, aus Lengerich und Ibbenbüren. Sie kaufen ein, setzen sich gemütlich zusammen, genießen Kuchen, Grillwurst, Burger oder Eis.
Es wird immer voller auf dem Gelände. Der Feierabendmarkt ist ein Anziehungspunkt geworden. „Gerd Wellemeyer war der Vater des Ganzen und hat ihn zum Laufen gebracht“, betont der Marktmeister. „Ich habe das Kind dann großgezogen, von der Kita über die Schule bis zur Oberstufe.“ Was Heinz Saatkamp vergisst: Der Leedener Feierabendmarkt hat längst die Reifeprüfung bestanden und das Abi-Zeugnis in der Tasche.
Quelle: WN / Ruth Jacobus
